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Finanzministerium sieht erhebliche Risiken durch „Libra“-Währung von Facebook

Vielversprechend, aber vieles ungeklär

Die Bundesregierung sieht erhebliche Risiken für die Stabilität des Finanzsystems durch die Pläne des US-Unternehmens Facebook, die neue virtuelle Währung „Libra“ einzuführen. Es seien Auswirkungen auf Banken, die Stabilität des Zahlungsverkehrs und Schwellenländer zu erwarten, heißt es in der Antwort des Finanzministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion, die der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt.

Zudem könnte „Libra“ einen gefährlichen „Bank-Run“, also das massenweise Abheben von realem Geld auslösen, schreibt das Finanzministerium. „So ist es vorstellbar – analog zu Vorgängen bei Geldmarktfonds in der Finanzkrise -, dass massive und abrupte ,Rückgaben‘ von Libra den Reservefonds der Libra Association dazu veranlassen, in großem Umfang Einlagen bei Geschäftsbanken abzuziehen oder die zur Deckung gehaltenen Staatsanleihen zu verkaufen“, heißt es in der Antwort. „Die EU-Staaten sollten sich schleunigst Gedanken machen, wie das offensichtliche Bedürfnis nach digitalen Währungen bedient werden kann“, sagte Grünen-Politiker Danyal Bayaz. Für virtuelle Währungen müssten die gleichen Regeln gelten wie für herkömmliche Währungen.¹

Mit der Kryptowährung Libra könnte der US-Medienkonzern Facebook nach Ansicht des LBBW Research eine globale Blockchainwährung auf den Markt bringen, die langfristig zu einem globalen Zahlungsstandard führen könnte. „Es ist gut möglich, dass bereits im kommenden Jahr die ersten privaten Micropayments in Libra abgewickelt werden“, urteilt Blockchain-Analyst Guido Zimmermann. Zugleich warnt er aber vor übertriebenen Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch der Digitalwährung.

Angesichts von weltweit rund 2 Milliarden Facebook-Nutzern und 1,4 Milliarden WhatsApp-Konten habe das Projekt von 28 großen Tech- und Zahlungsdienstleistungsfirmen unter der Federführung des Medienkonzerns zwar ein großes Potenzial, stellt der Analyst in einer aktuellen Studie fest. Es dürfe aber „nicht übersehen werden, dass für einen erfolgreichen Start noch viele absehbare und überraschend auftauchende Probleme gelöst werden müssen.“ Gegen einen raschen Aufstieg der geplanten Kryptowährung zur Weltwährung sprechen Zimmermann zufolge insbesondere die regulatorischen Anforderungen, die Banken und Bankdienstleister bereits heute im Devisenhandel und Zahlungsverkehr erfüllen müssen. „Facebook dürfte Mühe haben, die Behörden davon zu überzeugen, nicht den Vorschriften des Steuerrechts, der Geldwäsche, der Bankenregulierung oder der Einlagensicherung zu unterliegen“, sagt Zimmermann voraus. Hinzu käme möglicherweise die Wertpapierregulierung, sollte es sich nach Überzeugung der Finanzaufsicht bei Libra gar nicht um eine Währung, sondern um ein Wertpapier handeln.
Libra ist als Stable Coin geplant – Keine Spekulationsblase

Libra ist im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether als sogenannte Stable Coin geplant. Ein Reservepool an Aktiva wie Bankeneinlagen, oder kurzfristigen Staatsanleihen soll den Wert der neuen Währung zu 100 Prozent decken. Eine Inflation schließt ein solches System aus und auch Spekulationsblasen, wie sie den Wert des Bitcoins in die Höhe trieben, sind nicht möglich, urteilt Zimmermann. Das System entspricht damit in etwa dem geldpolitischen Konzept der sogenannten Real Bills-Doktrin, die die theoretische Grundausrichtung der US-Notenbank Federal Reserve 1913 war. Demnach war jeder US-Dollar durch Gold gedeckt.

Die technischen Herausforderungen, vor denen das Projekt steht, sind in Bezug auf Skalierung und Cybersicherheit immens, urteilt Zimmermann: Die Libra Blockchain sei im engeren Sinne keine öffentliche Blockchain, wie z. B. bei Bitcoin. Es handelt sich zunächst um ein geschlossenes Netzwerk der beteiligten IT- und Zahlungsdienstleistungsfirmen, die die Organisation der Libra Reserve und der „Blockchain“ bzw. der dezentral verteilten Datenbank übernehmen. Erst langfristig soll die Libra Blockchain zu einer öffentlichen Blockchain auf globalem Niveau wachsen.

Nicht nur im Erfolgsfall sorgt die Kryptowährung dabei selbst für Konkurrenz: „Wie immer der Versuch von Facebook ausgeht, eine globale Kryptowährung aufzusetzen. Es ist anzunehmen, dass in den kommenden Jahren andere Anbieter vergleichbare Versuche starten dürften. Banken und vor allem nicht vertrauenswürdige Zentralbanken wie die von Venezuela oder Zimbabwe bekommen dann neue Konkurrenz“, sagt Zimmermann voraus.²

¹Rheinische Post ²Landesbank Baden-Württemberg

1 Kommentar

  1. Anonymous

    Facebook habe ich längst verlassen– Twitter auch– Amazon benutze ich auch nicht mehr— diese Leute wollen die Weltherrschaft und alles was du tust und denkst kontrollieren— Dorsey, Zuckerberg und Bezos können von mir aus ur Hölle gehen— ich versuche auch Google und Bing kaum zu benutzen— Zeitungen lese ich nicht mehr und ARD, ZDF, WDR und die Lokalsender schaue ich auch nicht mehr— alles staatlich kontrollierte Propagandasender— man muss lange suchen bis man etwas vernünftiges findet für Nachrichten u.a.

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