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Die Bundespolitiker tragen eine Mitschuld, dass Reisende auf ihren Kosten sitzen bleiben

Einbußen für viele Cook-UrlauberVersicherungssumme reicht nicht für Kunden, die Reisen noch antreten wollen

Im schlimmsten Fall sehen deutsche Kunden des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook vom entrichteten Reisepreis nur einen Bruchteil wieder. Die Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro für die Versicherung Zurich reicht nicht aus, um alle Schäden abzudecken. Der Zurich lässt sich kein Vorwurf machen, den Bundespolitikern schon. Der dafür zuständige Staat hat es 26 Jahre lang versäumt, diesen Deckel anzuheben. Das war Fahrlässigkeit.¹

Der Vorstandsvorsitzende der Zurich-Versicherung, die den Schaden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook reguliert, kritisiert die derzeitige gesetzliche Deckelung der Versicherungssumme für Reiseveranstalter in Höhe von 110 Millionen Euro. „Es gibt durch die gesetzliche Regelung eine enorme Lücke und man wird jetzt und in Zukunft auf politischer Ebene darüber sprechen müssen, wie diese Lücke gefüllt wird“, sagte Carsten Schildknecht dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Hintergrund ist, dass Kunden von Thomas Cook, die ihren Urlaub noch nicht angetreten haben, nicht mit einer vollen Erstattung des bereits gezahlten Geldes rechnen können.

„Wir gehen davon aus, dass die Deckungssumme von 110 Millionen Euro nicht ausreichen wird“, sagte Schildknecht. Andere Länder hätten die gesetzlichen EU-Vorgaben aus den 90er Jahren, die Reisende absichern soll, anders umgesetzt. „In Österreich ist die Versicherungssumme an die Größe des Reiseveranstalters gekoppelt. In Großbritannien springt am Ende die Regierung ein“. Es werde sicherlich Diskussion geben, warum das Gesetz in Deutschland so umgesetzt und ungeachtet des Wachstums und der beträchtlichen Größe der Reisebranche nicht angepasst wurde, sagte Schildknecht. Es hätte bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder mehrere erfolglose Ansätze gegeben, die Regelung zu reformieren.

Der Versicherungschef betonte, das Unternehmen sei von Anfang an aktiv auf die Kunden zugegangen und habe nicht gewartet, bis die Schäden eingereicht worden seien. Wäre dies nicht geschehen und hätte man nicht die Garantien ausgesprochen, wäre der Rückholschaden noch deutlich größer ausgefallen. „Nicht nur, dass die Menschen nicht nach Hause gekommen wären und es ein logistisches Chaos gegeben hätte, die Kunden hätten vor Ort die regulären und damit höheren Raten zahlen müssen.

Die Rückbeförderung wäre also deutlich teurer geworden und die Erstattungssumme für alle geringer.“ Derzeit seien noch 14 000 Reisende von ehemals 140 000 unterwegs. „Wir gehen davon aus, dass Ende der Woche nur noch 3000 betroffen sein werden. Die Sicherung der Kosten für Beherbergung und Rückreise gelten nur für die Kunden, die noch vor Ort waren bzw. sind – aber die gesamten Schäden sind sehr viel größer“, sagte Schildknecht.²

¹Wolfgang Mulke – Badische Zeitung ²Kölner Stadt-Anzeiger

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